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Das koreanische Alphabet an einem Abend – so funktioniert Hangul

Hangul wirkt wie eine Wand aus Kästchen, bis man erkennt, was in den Kästchen steckt. Vierundzwanzig Grundbuchstaben, nach einem Plan gebaut und zu Silben gestapelt. Hier ist der Plan – und eine Reihenfolge, in der du ihn lernst.

· 4 Min. Lesezeit
Das koreanische Alphabet an einem Abend – so funktioniert Hangul

Koreanisch gilt als schwere Sprache, und was Grammatik und Wortschatz angeht, ist der Ruf verdient. Die Schrift ist die Ausnahme. Hangul wurde im fünfzehnten Jahrhundert von einem Gelehrtenkreis unter König Sejong entworfen – mit voller Absicht, damit auch einfache Leute lesen lernen konnten –, und das merkt man bis heute. Die meisten Lernenden lesen nach einem Abend langsam und nach einer Woche schon recht flüssig.

Der Trick besteht darin, nicht mehr Kästchen zu sehen, sondern das, was drinsteht.

Die Buchstaben sind ein System, keine Liste

Es gibt 24 Grundbuchstaben: 14 Konsonanten und 10 Vokale. Dazu kommen 5 gespannte Konsonanten (verdoppelte Buchstaben) und 11 zusammengesetzte Vokale, die aus den Grundvokalen gebildet werden. Zusammen sind das die 40 Zeichen, die Mullawos Bildschirm Alphabet durchgeht – jedes mit Namen, Laut und Beispielwort.

Vierzig klingt nach viel. Es ist weniger, als es aussieht, denn der größte Teil leitet sich aus ein paar wenigen Formen ab.

Konsonanten zeichnen den Mund. Die Grundkonsonanten bilden ab, wo der Laut entsteht:

  • ㄱ g/k – der hintere Zungenrücken, der sich zum Gaumen hebt
  • ㄴ n – die Zungenspitze am Zahndamm hinter den Zähnen
  • ㅁ m – die geschlossenen Lippen
  • ㅅ s – ein Zahn
  • ㅇ – die Kehle; am Silbenanfang stumm, am Silbenende ng

Ein Strich bringt den Hauch. Setzt man einem Konsonanten einen Strich hinzu, entsteht sein behauchtes Gegenstück: ㄱ → ㅋ (k), ㄷ → ㅌ (t), ㅂ → ㅍ (p), ㅈ → ㅊ (ch). Verdoppelt man ihn, bekommt man die gespannte Variante: ㄲ, ㄸ, ㅃ, ㅆ, ㅉ – ohne Hauch und mit angespannter Kehle gesprochen.

Vokale sind Linien mit Häkchen. Jeder Vokal besteht aus einer langen Linie – senkrecht ㅣ oder waagrecht ㅡ – mit kurzen Strichen daran. Ein Strich ergibt den einfachen Vokal, zwei Striche setzen ein y davor: ㅏ a, ㅑ ya; ㅗ o, ㅛ yo; ㅜ u, ㅠ yu. Zusammengesetzte Vokale sind zwei davon, zusammengeschrieben: ㅗ + ㅏ = ㅘ wa, ㅜ + ㅓ = ㅝ wo.

Hat man das Muster einmal erkannt, lernt man nicht mehr vierzig Formen auswendig, sondern ein Dutzend – und die Regeln, aus denen der Rest folgt.

Buchstaben stapeln sich zu Silben

Die zweite Idee ist das Kästchen. Koreanisch schreibt Buchstaben nicht in einer Reihe, sondern fasst sie zu einem Block pro Silbe zusammen:

  • Konsonant + Vokal: 가 ga, 나 na, 고 go
  • Konsonant + Vokal + Endkonsonant: 강 gang, 물 mul (Wasser), 길 gil (Weg)

Der Vokal bestimmt das Layout. Ein senkrechter Vokal (ㅏ, ㅣ) steht rechts vom Konsonanten, ein waagrechter (ㅗ, ㅜ, ㅡ) darunter. Der Endkonsonant – das Batchim – sitzt immer ganz unten.

Und weil jede Silbe mit einem Konsonanten beginnen muss, bekommt eine Silbe, die mit einem Vokal anfängt, das stumme ㅇ als Platzhalter: 아이 ai (Kind) ist ㅇ + ㅏ, ㅇ + ㅣ.

Eine Reihenfolge, die funktioniert

Erste Stunde: die zehn Vokale. Sie sind der regelmäßigste Teil des Systems, und du brauchst sie in jedem Block. Lern sie paarweise – einfach und mit y – und schreib jeden ein paarmal.

Zweite Stunde: die vierzehn Konsonanten, nach Form geordnet: zuerst die fünf „Mundbilder“ von oben, dann ihre Verwandten mit Strich und die verdoppelten. Sprich jeden mit einem a dahinter – ga, na, da, ra, ma –, so leiern auch koreanische Kinder sie herunter.

Dann: Blöcke lesen. Keine Wörter, Blöcke. Schilder, Speisekarten, die Namen von K-Pop-Gruppen, egal was. Lies langsam, Buchstabe für Buchstabe, und sprich das Ergebnis aus. Auf dem Bildschirm Alphabet tippst du einen Buchstaben an und siehst ein Beispielwort in deiner eigenen Sprache – 길 Weg, 끝 Ende, 아이 Kind – und hörst es, sofern dein Handy eine koreanische Stimme hat.

Die zusammengesetzten Vokale und die Lautveränderungen haben Zeit bis zur zweiten Woche. An Silbengrenzen verändert das Koreanische Buchstaben nach festen Regeln – 국물 spricht man gungmul, nicht gukmul. Um mit dem Lesen anzufangen, brauchst du diese Regeln nicht; du brauchst sie, um gut zu lesen, und sie ergeben viel mehr Sinn, sobald die Buchstaben sitzen.

Und dann weg mit der Umschrift

Jedes koreanische Wort in Mullawo trägt eine Umschrift in der offiziellen Revidierten Romanisierung – 주황색 juhwangsaek (orange) – neben seiner IPA-Transkription. In den ersten Tagen, solange die Buchstaben noch zäh gehen, ist das nützlich.

Danach schaltest du in den Einstellungen Transkription anzeigen aus – das blendet Umschrift und IPA zusammen aus – und liest das Hangul. Eine Umschrift ist eine Krücke, die nie ganz passt: eo und eu sind zwei Laute, die es im Deutschen nicht gibt, und wer sie in lateinischen Buchstaben sieht, rät immer wieder eine deutsche Aussprache, die falsch ist. Der ganze Witz eines Alphabets, das man in einer Woche lernt, ist ja, dass man zum Lesen keine fremden Buchstaben braucht.

Eine realistische erste Woche

  • Erster Abend: Vokale und Konsonanten, bis du 가 나 다 라 마 lautieren kannst.
  • Tag zwei bis sieben: jeden Block lesen, der dir unterkommt; mit koreanischen Karten anfangen, Umschrift an.
  • Ende der Woche: Transkription aus.

Spätestens dann ist Hangul nicht mehr der schwere Teil. Das sollte es auch nie sein.

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